Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS)

Schnellübersicht:

 

Rückenschmerzen im unteren Lendenbereich kann viele Ursachen haben. Bei akut auftretenden Schmerzen ist in etwa nur bei ca. drei bis fünf Prozent der Fälle mit einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS) zu rechnen. Eine Operation ist nicht immer nötig, da in ca. 90 % der Bandscheibenvorfälle das hervorgetretene Material mit der Zeit resorbiert wird. Eine deutliche Besserung der Beschwerden ist nach circa vier bis sechs Wochen zu erwarten. Tritt diese nicht ein und kommen weitere Symptome (z. B. Sensibilitätsstörungen) hinzu, sollte eine Überprüfung erfolgen und eine Bandscheiben-Operation kann indiziert sein.

Folgende Symptome deuten auf einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule hin:

  • Heftige Schmerzen im unteren Rückenbereich
  • Ausweitung der Schmerzen in Gesäß, Beine und/oder Füßen
  • Niesen, Husten oder Pressen verschlimmert die Schmerzen
  • Beim Bücken, Sitzen oder Liegen nehmen die Schmerzen zu
  • Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen können hinzukommen
  • Taubheitsgefühl in den Beinen oder am Gesäß
  • Verlust der Blasen- Mastdarmkontrolle

Nicht immer sind alle Symptome beteiligt. Auch die Schmerzen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Letztgenannten sind ein Zeichen dafür, dass eine Nervenbeteiligung vorliegt. Hier bestimmt das Ausmaß der Nervenquetschung oder -schädigung den Ausprägungsgrad der Beschwerden.

Sehr selten tritt das so genannte Cauda-Equina-Syndrom auf. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der unverzögert chirurgisch versorgt werden muss um bleibende Schäden zu vermeiden. Bei diesem Symptom komprimiert Bandscheibenmaterial die Spinalnervenwurzeln der "Cauda equina" und führt zu komplexen neurologischen Ausfallerscheinungen. Lähmungen der Beine, Sensibilitätsstörungen, Miktions- und Defäkationsstörungen sowie eine Störung der Sexualfunktion treten auf. Die Operation muss innerhalb weniger Stunden nach dem Auftreten der Symptome erfolgen, da sonst Nervenschädigungen zurückbleiben können. Das Ziel jeder Bandscheiben-OP ist die Dekompression der Nerven. Je schneller das passiert, desto günstiger ist die Prognose.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule?

Die Bandscheibe wird auch Zwischenwirbelscheibe genannt oder Discus intervertebralis. Der Mensch besitzt 23 Stück, die zwischen 5 und 20 mm dick sein können. Von der Halswirbelsäule, über die Brustwirbelsäule bis hin zur Lendenwirbelsäule werden sie dicker. Die Bandscheiben wirken als Stoßdämpfer und schützen die Wirbel, indem sie Erschütterungen abfangen und dämpfen. Zudem machen sie die Wirbelsäule beweglich und schaffen Platz für die Nervenabgänge aus den Nervenaustrittslöchern den sogenannten Foramen. Die Foramen werden zu beiden Seiten durch durch zwei Wirbelkörper und der dazwischenliegenden Bandscheibe gebildet, das sogenannte Segment.

Der Aufbau der Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und dem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus). Ist dieser äußere Faserring geschwächt (z. B. durch Degeneration und Kollagenabbau) kann er bei einer ungünstigen Bewegung oder einer hohen Belastung Risse bekommen, vergleichbar einem porösen Gummireifen. Diese Risse können größer werden und im Extremfall kann dann Bandscheibenmaterial des gallertigen Kerns hervortreten oder sich komplett lösen und dann auf die Spinalnerven drücken. Dies verursacht einerseits die akuten Rückenschmerzen und / oder Beinschmerzen und andererseits können auch die neurologischen Ausfallerscheinungen auftreten.

Der Bandscheibenvorfall im Bereich der LWS ist mit weit über 90 % der am häufigsten auftretende Bandscheibenvorfall. Er tritt üblicherweise im LWS Bereich zwischen Lendenwirbel vier und fünf (L4/L5) oder zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem ersten Kreuzbeinwirbel (L5/S1) auf. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule sind selten. Im Bereich der oder Brustwirbelsäule extrem selten (weniger als 1/1000).

Was kann einen Bandscheibenvorfall im LWS Bereich auslösen?

Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall

Die Ursache für einen Bandscheibenvorfall ist grundsätzlich sehr vielfältig. Es gibt nicht nur den einen Grund! In vielen Fällen ist eine vorausgegangene Schwächung des Faserrings durch eine Fehl- und/oder Überbelastung die Hauptursache. Aber auch die Degeneration des Materials im Zuge des Alterungsprozesses kann ein Risikofaktor für das Reißen des Bandscheibenringes (Anulus fibrosus) sein. Manchmal geht dem Heraustreten des Bandscheibenmaterials die Vorwölbung des Gallertkerns in den Faserring voraus.

Diese Gründe können zu einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule führen:

  • Schwächung des Faserrings durch altersbedingte Degeneration
  • Schwächung des Faserrings durch Fehl- und Überbelastungen (z. B. langes Sitzen und zu wenig Bewegung)
  • Angeborene Bandscheibenschwäche
  • Schlecht ausgebildete Rückenmuskulatur im Bereich der LWS
  • Ruckartige Bewegung oder Drehbewegung des Oberkörpers
  • Heben oder Schieben von schweren Gegenständen
  • Genetische Faktoren wie familiär gehäuft auftretende Rückenbeschwerden oder Bandscheibenvorfälle
  • Einseitige Ernährung

Ein Bandscheibenvorfall kann aber auch ohne erkennbaren Auslöser vorkommen.

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Bei vielen Bandscheibenvorfällen muss keine Operation erfolgen. In ca. 80% aller bekannten Fälle von Rückenschmerzen für die ein Bandscheibenvorfall ursächlich ist, sind konservative Therapiemassnahmen erfolgreich. Durch einen individuell erstellten Therapieplan und zusätzlicher Schmerzmedikation können die Rückenschmerzen im Bereich der LWS gut bekämpft werden. Sobald eine Besserung der Beschwerden auftritt kann mit einem Trainingsprogramm begonnen werden, das schonend die Bauch- und Rückenmuskulatur kräftigt.

Die konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

Bei einem Bandscheibenvorfall erfolgt zunächst in der Akutphase die Ruhigstellung und Schonung des Rückens für zwei bis vier Tage. Begleitend werden Schmerzmittel eingenommen, um die akuten Schmerzen zurückzudrängen.

Nach der akuten Phase heißt es: Bewegung – Bewegung – Bewegung! Danach wird bei uns im apex spine Zentrum unter Anleitung eines Arztes oder unter physiotherapeutischer Beratung ein individueller Trainingsplan erstellt, der langsam und unter Schonung der Lendenwirbelsäule die Rücken- und Bauchmuskulatur stärken soll. Elektrotherapie, Wärmebehandlungen oder Massagen können den Muskelaufbau fördern und die Genesung beschleunigen. Empfohlen wird, sobald wie möglich, die normalen Aktivitäten wieder aufzunehmen, da Bewegung die Rückenschmerzen schneller lindert. Zu lange Schonzeiten können kontraproduktiv sein. In einer Studie von Keel et.al.[1] wurde gezeigt, dass von 100 untersuchten Patienten mit akuten Rückenschmerzen im Bereich der LWS über 40 % wieder schneller (nach 10 Tagen) arbeitsfähig waren, wenn sie rasch zu normalen Alltagsaktivitäten zurückgekehrt sind. Bei Patienten, die sich länger geschont haben, hat auch die Genesung länger gedauert.

Bei sehr starken Schmerzen können diese auch mithilfe von Injektionen in den Bereich des Bandscheibenvorfalles bzw. betroffene Lendenregion gelindert werden. Hierbei werden betäubende Substanzen in der Regel in Kombination mit Kortisonpräparaten neben die eingequetschte Nervenfaser bzw. neben das Rückenmark gespritzt. Das Kortison sorgt für den Rückgang der Schwellung und damit zur Schmerzreduktion. Bei starken neurologischen Symptomen kann auch die Behandlung in einer Klinik notwendig werden. Dort kann bei schweren Fällen die Schmerz- und Kortisonmedikation mittels Infusion verabreicht werden.

Zuviel Schonung und Ruhe kann Schaden  1)
Von 100 Patienten mit
akuten Rückenschmerzen
sind:
Patienten, die möglichst
früh wieder ihre Alltagsaktivitäten
aufnehmen
Patienten, die sich stärker
und länger schonten
nach 10 Tagen wieder
arbeitsfähig
57 36
nach einem Monat
noch krank
17 31

Die chirurgische Therapie bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

Bei schwerwiegenden Bandscheibenvorfällen oder wenn sich die Symptome verschlimmern, ist ein chirurgisches Eingreifen indiziert. In über 98 % der Wirbelsäulenzentren in Europa wird die Operation am offenen Rücken in Vollnarkose durchgeführt. Der Chirurg räumt das hervorgetretene Bandscheibenmaterial aus, um die gequetschten Nerven zu dekomprimieren. Gelegentlich erfolgt gleichzeitig eine Implantation einer Bandscheibenprothese, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule erhält. Danach schließt sich eine lange Rehabilitationsphase an.

Mittlerweile existiert auch die Möglichkeit, den Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule minimal-invasiv zu operieren. Bei minimal-invasiven Techniken wird das Operationsfeld klein gehalten. Während bei der konventionellen Methode ein meist ca. zehn bis fünfzehn Zentimeter langer Schnitt nötig ist, reicht bei den endoskopischen Verfahren ein kleiner Schnitt nur außen an der Haut von ca. 5-6 Millimetern aus. Die weitee Präparation in die Tiefe erfolgt nicht durch Ablösen oder Durchschneiden der Muskulatur, sondern nur durch Aufdillatieren also Aufweiten des Gewebes. So wird weniger Gewebe traumatisiert und die Wunde heilt schneller. Mit den endoskopischen Techniken kann jeder Bandscheibenvorfall operiert werden, sowohl im Bereich der Lendenwirbelsäule wie aber auch im Hals- und Brustbereich. Bei minimal-invasiven und endoskopischen Eingriffen gibt es verschiedene Verfahren. Bei dem Verfahren im apex spine Zentrum wird zum Beispiel durch die Foramina (seitliche Löcher der Wirbelkörper, aus denen die Nerven austreten) hindurch operiert. Dies hat den Vorteil, dass von der Seite aus operiert werden kann und nicht vom Rücken aus, was ein höheres Risiko für Verletzungen mit sich bringen würde.

Dieses Verfahren wird insbesondere von Dr. Schubert kontinuierlich weiterentwickelt. Bisher wird es in dieser hohen Frequenz nur im apex spine Zentrum in Deutschland angeboten. Etwa 9.000 Patienten wurden bisher auf diese Weise erfolgreich operiert. Während die Kenntnisse über diese Technik und die Erfahrungen auf nationalen und internationalen Kongressen präsentiert und weitergegeben werden, hat sich das Wirbelsäulenzentrum zu einem renommierten Ausbildungszentrum etabliert. Ärzte aus der ganzen Welt hospitieren bei Dr. Schubert und besuchen die Lehrveranstaltungen des Wirbelsäulenspezialisten und lernen unter anderem während Live-Operationen die neue Technik kennen.

Zusammenfassung

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule kann mit akuten Schmerzen verbunden sein. Doch nur in 3-5 % der Fälle, bei denen Kreuzschmerzen im LWS Bereich auftreten, liegt ein Bandscheibenvorfall vor. Über 90 % dieser Vorfälle können konservativ, das heißt, mit Schmerzmitteln und Physiotherapie gemanagt werden. Pateinten, die nach einer kurzen Schonzeit eine normale Aktivität wieder aufnehmen genesen schneller. Sollte eine Operation notwendig sein, kann diese konventionell oder minimal-invasiv endoskopisch durchgeführt werden. Mittlerweile existieren auch für die endoskopische Technik verschiedene Verfahren. Nach der Bandscheiben-Operation folgt die Rehabilitation. Die Heilungschancen für Bandscheibenvorfälle sind gut, solange die Nerven schnell genug entlastet werden.

[1] Keel P, Weber M, Roux E, Gauchat MH, et al. Kreuzschmerzen: Hintergründe, Prävention, Behandlung (Back inTime. FMH 1998)

 

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apex jameda 06 17

Bewertungen

Nach 1 Satz über meine Beschwerden war die Diagnose klar, die sich nach Sichtung der Aufnahmen auch bestätigte. Weder mein Orthopäde, noch der Röntgenarzt (Nichts zu operieren, machen Sie Gymnastik.) hatten den Bandscheibenvorfall erkannt. Nach der OP - 1 Woche später in der ATOS-Klinik sofort beschwerdefrei, auch keine Schmerzen mehr. Die absolute Nr. 1 bei Bandscheibenproblemen!

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